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Interview mit Jörn Erkau

Jörk ErkauWer bist du und was machst du?

Jörn Erkau, General Manager Sennheiser Streaming Technologies. Meine Kollegen und ich kümmern uns um die Entwicklung von Besucherinformationssystemen für Smartphones und andere mobile Endgeräte.

Wie ist die Idee zu dem Projekt „Culture Inclusive“ entstanden?

Ich betreue seit ca. acht Jahren u.a. inklusive Veranstaltungen im kulturellen Umfeld und beim Sport. Mein persönliches Aha-Erlebnis war die Ausrichtung einer Sportveranstaltung mit der Übertragung von Audiodeskription für blinde Menschen, die mit einem erheblichen technischen und finanziellen Aufwand verbunden war. Es kamen letztendlich fünf Besucher, für die dieses Angebot relevant war. Da wurde mir klar, dass mit einer entsprechend guten Kommunikation viel mehr Menschen mitbekommen hätten, dass es eine für ihre Bedürfnisse ausgerichtete Veranstaltung gibt.

Bei der Entwicklung von neuen Besucherinformationssystemen war uns klar, dass jetzt die Zeit für eine entsprechende Plattform gekommen ist. Die Studie, die wir anschließend mit EMNID durchgeführt haben, hat uns in unserer Vermutung bestätigt. Viele Menschen nehmen nicht mehr an Kulturveranstaltungen teil, weil sie nicht sehen oder verstehen können, was auf der Bühne oder Leinwand passiert. Zudem ist ihnen auch nicht bekannt, welche technischen Hilfsmittel es heutzutage gibt und an welchen Spielstätten diese zur Verfügung stehen.

Was ist das Besondere an dem Portal?

Es ist das erste Portal, das in dieser Form in Deutschland existiert. Gestaltet nach den Prinzipien des „Universal Design“ ist es nutzbar für alle Zielgruppen und ansprechend im Design. Hinzu kommt der Anspruch des „responsive Design“, d.h. es funktioniert gleichermaßen gut auf dem Desktop Rechner, dem Smartphone oder Tablet.

Für welche Städte wird das Angebot gelten?

Das Angebot gilt deutschlandweit. Als global operierendes Unternehmen können wir uns gut vorstellen, das Portal auch in anderen Ländern an den Start zu bringen. In Frankreich, beispielsweise, ist der barrierefreie Zugang zu Spielstätten ab 2018 Pflicht. Hier wäre ein Portal wie Culture Inclusive eine sinnvolle und wichtige Institution. Wir müssen aber erst einmal ausreichend Erfahrungen in Deutschland sammeln, bevor wir an ein internationales Angebot denken können.

Welche Rolle spielen die digitalen Medien bei der Bekanntmachung der Plattform?

Natürlich spielen die digitalen Medien eine äußerst zentrale Rolle in diesem Prozess. Zum einen finden viele unserer Anwendungen auf dem Smartphone statt. Zum anderen sind die digitalen Medien der Dreh- und Angelpunkt in unserer Gesellschaft. Blinde Menschen, zum Beispiel, sind intensive Smartphone-Nutzer, da sie so einen schnellen und unkomplizierten Zugriff auf die für sie relevanten Informationen haben. Für eine gute Kommunikation sind Facebook, Twitter und Co. ein Muss.

Welche Bedeutung hat „Kultur“ in unserer digitalen Gesellschaft?

Kultur ist und war ein gesellschaftlich relevantes Thema – in unserer digitalisierten Welt mehr denn je. Themen und Nachrichten, auch kultureller Art, können viel breiter und vielfältiger gestreut werden als früher und dadurch eine hohe Aufmerksamkeit generieren. Das birgt Chancen, aber auch Gefahren. Zum Beispiel, dass nicht die gesamte Gesellschaft daran teilhaben kann. Daher ist es heutzutage umso wichtiger, dass jeder einen Zugang zu Kulturangeboten hat und diese auch wahrnehmen kann – ggf. mithilfe technischer Hilfsmittel wie Hörunterstützung.

Bist du, was den Stand der Digitalisierung angeht, aktuell eher verwirrt oder glücklich?

Ich bin sehr glücklich. Natürlich bringt die Digitalisierung auch Risiken mit sich. Aber vorrangig sind wir gefragt, das Beste daraus zu machen. Der Zugang zu Informationen ist wesentlich einfacher geworden. Technologie kann Menschen Unabhängigkeit bescheren, wie im Falle von Menschen mit Sinneseinschränkungen den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen.