Interview mit Zoë Beck

VITA:

Zoë Beck (*1975) wuchs zweisprachig auf und pendelt zwischen Großbritannien und Deutschland. Sie arbeitet als freie Autorin, Redakteurin und Übersetzerin. 2010 erhielt sie den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte „Bester Kurzkrimi“. 2011 war sie wieder mit einem Kurzkrimi nominiert, „Das alte Kind“ war auf der Shortlist für den Friedrich-Glauser-Preis Sparte „Bester Roman“. „Das zerbrochene Fenster“ wurde von der Jury der KrimiZEITBestenliste unter die zehn besten Kriminalromane im September 2012 gewählt.

Meine persönlichen Daten werden gesammelt, auch wenn ich mich nicht aktiv durch das Netz klicke. Muss mir das Angst machen?

Unsere Daten werden ständig überall gesammelt, mit und ohne Internet. Schön geht anders. Wo man Widerspruch einlegen kann, sollte man es tun. Die Angst vorm gläsernen Bürger ist dabei älter als die sozialen Netzwerke. Das sollte man nicht vergessen.

„Das Netz vergisst nichts.“ Ist es diese Aussage, die uns beim Eintritt in die virtuelle Welt Unbehagen bereitet?

Unbehagen? Ich denke eher, es hat nicht nur Nachteile (Sammlung personenbezogener Daten etc.) sondern in anderen Zusammenhängen auch wieder Vorteile. Pressemeldungen, Äußerungen von Politikern oder Firmen etc. können nicht einfach zurückgezogen und verändert neu eingestellt werden, ohne dass Spuren bleiben.

Häufig wird von „der Netzgemeinde“ gesprochen. Gibt es eine solche Netzgemeinde noch?

Ja, die gibt es. Wobei klar sein muss, dass nicht jeder, der einen Twitter-Account hat, auch sofort „die Netzgemeinde“ repräsentiert. Es gab letztens einen Artikel von Sascha Lobo zu dem Thema.

Wenn wir einen Medienminister hätten, auf welcher Seite müsste er stehen: Auf der Seite derer, die die Freiheit im Netz für sich reklamieren, oder auf der Seite derer, die einen verbesserten Persönlichkeitsschutz fordern? Sehen Sie einen „goldenen Mittelweg“?

Wenn ich den wüsste, würde ich mich als Medienministerin bewerben.

Zur Urheberrechtsdebatte im Netz: Könnten Sie sich Vergütungsmodelle vorstellen, mit denen sowohl Autoren und Künstler als auch Mediennutzer gut leben können? Oder muss man die Regeln der realen Welt einfach auf die virtuelle Welt 1:1 übertragen?

Ich habe da keine Antwort. Das Thema wird nicht umsonst sehr kontrovers diskutiert, und jeder Kongress, den ich dazu bisher dazu besucht habe, jeder Workshop blieb vernünftige Antworten schuldig. Das hat u.a. auch damit zu tun, dass die Filmindustrie andere Probleme hat als die Musikindustrie und die Buchbranche … Und die Urheber sind entsprechend sehr unterschiedlich betroffen.

Wird sich Crowdfunding Ihrer Meinung nach für Filme oder Bücher dauerhaft etablieren können?

Ich denke schon. Wenn ich an das Beispiel Amanda Palmer denke, kann ich nur hoffen, dass es Schule macht. Ich glaube, Crowdfunding wird seinen Platz neben den klassischen Kanälen finden.

Wie lange wird es noch dauern, bis die Arbeit der „Blogger“ genauso anerkannt wird, wie die Arbeit derer, die von einem Verlag oder einer Zeitung bezahlt werden?

Bezieht sich das auf die Vergütung? Wenn wir bereit sind, für Inhalte im Netz zu zahlen. Wenn es um die Anerkennung der Qualität geht, denke ich, dass die bereits da ist.

Unter welchen Umständen würden Sie als Autorin auf einen klassischen Verlag verzichten?

Wenn es ums Veröffentlichen von Texten geht, die vermeintlich nicht marktgängig genug sind.

Inwieweit hat die Digitalisierung den Beruf des „Künstlers“ verändert?

Mehr Möglichkeiten, sich auszudrücken, da für eine Veröffentlichung keine Bindung an die Industrie mehr nötig ist. Gleichzeitig besonders in der Musik finanzielle Verluste.

Durch die Chancen im Netz haben Sie die Möglichkeit, sich besser zu vernetzen und zu vermarkten. Brauchen Künstler im digitalen Zeitalter eine Agentur, die sie für Social Media fit macht?

Das ist eine Typenfrage. Manche wissen auch ohne Agentur sehr gut, wie sie sich im Netz bewegen können/sollten. Wer unsicher ist, Berührungsängste hat oder schlicht nicht so viel Zeit investieren will, sollte sich auf jeden Fall beraten lassen.

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