Interview mit Deborah Klein

Deborah_KleinWer bist du und was machst du?
Mein Name ist Deborah Klein und ich arbeite als freie PR-Beraterin in Hamburg. Zuvor war ich viele Jahre als Pressesprecherin im Verlagsbereich tätig, genauer gesagt im „Selfpublishing“-Bereich. Damals habe ich sehr gute Einblicke in diese neue Veröffentlichungsform bekommen, die es jedem Autor ermöglicht, sein Buch auf eigene Faust herauszubringen. Also ohne den klassischen Verlag und ohne großes finanzielles Risiko. Auch als freie PR-Beraterin habe ich jetzt einen Schwerpunkt auf Autoren und Verlage gelegt, da in diesem Bereich gerade sehr viel passiert. Die Schranken öffnen sich.

Dein aktueller Fang?
Ein Blick ins Netz verrät, dass die diesjährige Frankfurter Buchmesse das Thema „Selfpublishing“ wieder stark gepusht und deren wachsende Bedeutung erkannt hat. Die Frankfurter Rundschau titelte am 07.Oktober 2013 treffend: „Selfpublishing – eines der großen Themen“. Von Naserümpfen und fehlender Akzeptanz ist nicht mehr die Rede, wie es vor wenigen Jahren noch der Fall war, wenn kein namhafter Verlag auf dem Cover abgedruckt war. Ich denke, viele Traditionen und Klischees sind durchbrochen worden. Der Autor von heute ist unabhängig und hat alles selbst in der Hand. Ein großes Stück Freiheit für die einen, ein großer Verlust an Monopolisierung für die anderen. Man merkt auf den Buchmessen deutlich, dass sich die großen Verlage die altehrwürdige Arroganz nicht mehr leisten können.

Du bist aktiv geworden, um den Wandel in der Buchbranche mitzugestalten. Hast du dich hierfür mit anderen vernetzt oder schwimmst du den Weg alleine?
Wie schon erwähnt habe ich einige Jahre als Pressesprecherin für Selfpublishing-Verlage agiert. In dieser Zeit habe ich die Branche sehr gut kennengelernt, mich mit vielen Autoren und Modellen intensiv beschäftigt und ausgetauscht. Die Buchbranche ist an einem Austausch untereinander interessiert, man trifft sich auf den Buchmessen und hält sich auf dem Laufenden. Als ich mich als PR-Beraterin selbstständig gemacht habe, habe ich viel Unterstützung aus den eigenen Reihen erfahren. Das fand ich sehr schön. Die Branche funktioniert in meinen Augen durch eine starke und wachsende Vernetzung untereinander.

Was rätst du angehenden AutorInnen, die Schreiben zum Beruf machen wollen. Sollten diese ihre Texte überhaupt noch bei großen Verlagen einreichen?
Der Beruf des Schreibens ist auf viele Bereiche anwendbar. Als reiner Buchautor, als Redakteur für ein Magazin und auch als PR-Beraterin schreibe ich viel. Das Leben als Buchautor ist ein hartes Pflaster, da es sehr schwer ist, allein von den Buchverkäufen zu leben. Ich empfehle, die Leidenschaft zum Schreiben vorerst parallel laufen zu lassen. So wirft man sich nicht in das große Risiko, sondern kann der Buchentstehung und Buchveröffentlichung etwas entspannter zusehen. Genauso habe ich es übrigens auch gerade gemacht. Neben meiner Haupttätigkeit als PR-Frau habe ich mein erstes eigenes Buch „Hauptstadtgedanken“ veröffentlicht – natürlich über Selfpublishing. Eine wichtige und tolle Erfahrung, da man nun die Sorgen und Nöte von Selfpublishern besser versteht. Die großen Verlage werden jedoch immer ihre Daseinsberechtigung behalten.

Wenn man sich jetzt für Selfpublishing entscheidet: Welche Optionen stehen uns zur Verfügung? Wie und wo finden wir die richtige Plattform, die zu uns passt?
Der Markt bietet viele gute und seriöse Anbieter. Es gibt Unterschiede in Preis, Qualität und Vertriebsstärke. Wer bei Kindle Direct Publishing (KDP) von Amazon veröffentlicht, wird sein Buch nur bei Amazon finden. Wichtig ist, sich zu überlegen, ob man sein Werk als Print- und/oder E-Book haben möchte. Da unterscheiden sich viele Anbieter in ihren Möglichkeiten. In meinen Augen ist die Buchqualität, die Vertriebsstärke und die Kombinationsmöglichkeit aus Print und Digital wichtig.

Angenommen: Das Buch ist endlich geschrieben, der Selbstverlag bereits gefunden. Wo kommen jetzt die Käufer her?
Eine wichtige Frage, die man sich nicht erst nach der Veröffentlichung stellen sollte. Der Autor muss herausarbeiten, wo die Zielgruppe für sein Buch zu finden ist. Wen könnte mein Thema interessieren, wo finde ich Gleichgesinnte, die meine Inhalte lesen möchten? Und dann heißt es, Netzwerke bilden und sein Buch vorstellen. Hierbei stoßen Laien schnell an ihre Grenzen, daher empfehle ich Autoren, die PR für ihr Buch von einem Experten analysieren zu lassen und Unterstützung anzunehmen. Das fängt beim Lektorat an und hört bei professioneller Pressearbeit auf. All das sollte man vor der Buchveröffentlichung für sich klären und budgetär einkalkulieren.

Dein erster Kurz- Gedichtband erschien gerade im Eigenverlag. Sind 6,90 € für 32 Seiten nicht ganz schön happig?
Das kann letztlich nur der Leser entscheiden, ob es ihm das Buch wert ist. In meinen Augen ist es nachvollziehbar, dass ein Selfpublishing-Buch ein wenig teurer ist als das Verlagsbuch in gedruckter Großauflage. Der Vorteil im Eigenverlag: Man wählt den Verkaufspreis selbst, und somit auch seine Marge, was man pro Buch verdient. Letztlich darf man auch nicht den ökologischen Faktor vergessen. Beim Selfpublishing wird kein Buch vorgedruckt, ehe es gekauft wurde. Innerhalb weniger Tage hält der Käufer das Buch in den Händen, für ihn also kein Unterschied.

Ist Selfpublishing für deine Tätigkeit als Beraterin in der Buchbranche vielleicht auch eine Marketing-Strategie?
Ich liebe einfach Bücher. Jeder Autor muss für sich selbst entscheiden, welcher Weg der richtige für ihn ist und welche Möglichkeiten ihm geboten werden. Im Schnitt werden natürlich die meisten Bücher bei klassischen Verlagen abgelehnt, ohne dass das Buch eine schlechte Qualität aufweisen muss. Früher musste man auf die Buchveröffentlichung verzichten oder hohe Druckkosten auf sich nehmen, um sein Buch zu veröffentlichen. Nun geht es schnell, einfach und dazu günstig.

Wie kommunizierst du die Länge deines Buches? Fühlt man sich mit einem Erstlingswerk von 32 Seiten bereits als Autorin?
Ich kann nur für mich

sprechen und es mit einem eindeutigen Ja beantworten. Ich habe beruflich und privat immer schon gern und viel geschrieben. Daher ist das Gefühl fürs Schreiben schon viel früher entstanden. Mit meinem Buch habe ich mir einen Traum erfüllt. Es ist ein Lyrik-Band, welcher in Berlin entstand und einen Zeitabschnitt meines Lebens darstellt. Vielleicht auch eine Hommage an meine alte Heimat, da ich nun in Hamburg lebe. Lyrik lässt Raum für Interpretationen und eigene Gedanken. Jeder Leser wird mein Buch anders empfinden. Das finde ich spannend.

Bist du – was den Stand der digitalen Mögli

chkeiten angeht – verwirrt oder glücklich?
Wohl beides. Manche Technologien nutze ich auch nicht, da ich nicht alles mitmachen möchte. Ich versuche, gezielt und bewusst auszuwählen. Anderenfalls wird man überladen. Das richtige Maß kann in der Tat glücklich machen.

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